Irgendwie Arbeit

Vor einigen Wochen bin ich ein Auto gefahren, das war das Letzte. Das fing schon damit an, dass es nicht gleich ansprang. Auch die weitere Fahrt gestaltete sich schwierig. Selbst sanftestes Einlenken versetzte das gesamte Gefährt in unkontrolliertes Schaukeln, die Automatik wechselte die Gänge wie ein Faultier Äste, und über den Verbrauch will ich gar nicht reden.

Dennoch war es mit Sicherheit eines der Highlights meines Autofahrerjahres. Denn etwas, das älter ist als ich selbst, und das auch noch sehr deutlich, kann ich jene Mängel nachsehen. Besagtes Gefährt war ein 72er Mustang, die letzte Version der ersten Baureihe, mit dem kleinen V8, außen schwarz, innen knallrot. Es war Nacht in Berlin, die Straßen waren leer und still – zumindest außerhalb der Reichweite des Achtzylinders. Und der Radius, den die Fünfliter-Maschine mit ihrem gemächlichen Blubbern einzudecken vermag, ist durchaus beträchtlich. Und das ist auch gut so.

Es scheint erklärtes Ziel heutiger Autohersteller zu sein, den Passagieren den Eindruck zu vermitteln, dass sie geräuschlos auf einer Wolke dahinschweben, isoliert von allen störenden Einflüssen der echten Welt. Man bewegt sich geräuschlos durch Landschaften, während einen das 17-Wege-Soundsystem mit Vivaldi versorgt. Um dann erschreckt festzustellen, dass man mit 220 Sachen unterwegs ist.  Der Innenraum muss „Wohlfühl-Oase“ sein. Dazu passt, dass einem diverse Assistenzsysteme alles abnehmen, was über Lenken und Gas geben (und selbst das nur noch begrenzt) hinaus geht.

Und so muss man schon in etwas Antikes steigen, um in den Prozess der Fortbewegung integriert zu werden. Und ja, es war auf eine gewisse Art Arbeit. Es war unmöglich das Teil gerade zu halten, Gas geben und Bremsen bedurfte einer gewissen Vorausplanung, jeder Wandschrank lässt sich handlicher manövrieren, und wenn man kurz nicht Acht gab, versuchte sich das Ding selbst in der nächstbesten Hecke zu versenken. Der Mustang ist fast fünf Meter lang und schafft es trotzdem, seine Passagiere auf Handtaschenformat zusammenzufalten.  Und nur im Land der unbegrenzten Möglichkeiten scheint es möglich, aus fünf Litern Hubraum ganze 150 PS zu kitzeln.

Aber: mehr braucht es auch nicht. Es ist auch so ein Erlebnis, und das vor allem deshalb, weil man eben all jenes mitbekommt, was während der Fahrt passiert. Man hört die Servolenkung, spürt das leichte Zittern des Lenkrads, das Knarzen der Federung, und über allem das bereits angesprochene Brummen des Achtzylinders, das hier nicht weiter blumig ausgemalt werden muss.

Brillant. Irgendwie Arbeit. Aber viel mehr ein Riesenspaß.

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