Rallye Deutschland 2010

Gelangweilt von der Formel 1? Ich auch. Man guckt zwei Stunden lang zu, wie hunderte von Millionen Euro um die immer gleichen Strecken kurven, und am Ende gewinnt doch der, der am Anfang vorne stand. Überholt wird kaum noch, da die Autos auf einem derart hohen Niveau fahren, dass es auf den meisten Strecken nur noch an einer Stelle möglich ist. Irgendwie ist das nicht mehr allzu reizvoll.

Und mit der Ansicht bin ich nun nicht alleine. Juan Pablo Montoya hat die Formel 1 verlassen und fährt seitdem NASCAR. Und Kimi Räikkönen ist dieses Jahr im World Rallye Car von Citroen unterwegs. Mit Sicherheit haben beide die Formel 1 nur mehr oder weniger freiwillig verlassen. Aber, wie Kimi ausführt, ist die WRC in vielen Aspekten interessanter als die sogenannte Königsklasse: So ist es hier erlaubt und erwünscht, auch nach einem Überschlag das Rennen fortzusetzen, und Reperaturen werden nicht nur per Laptop vorgenommen. Und der Zuschauerkreis umfasst selten Ziegen oder Schweinebauern.

Und das sind nur die amüsanten Gründe. Bei der Formel 1 kennen die Fahrer die Strecken wie ihre Westentasche. In der WRC sieht sich der Fahrer mit einer Strecke konfrontiert, die er das erste Mal sieht, wenn er mit 160 und Zeitdruck im Rücken darüber rast. Mit Autobahngeschwindigkeit über losen Untergrund auf eine Kuppe zuzufahren, und nur aufgrund einer wirren Zahlenkombination vom Beifahrer zu wissen, was dahinter kommt, muss eine Menge Mut verlangen. Und Können. Außerdem passiert bei der Rallye noch Unvorhergesehenes, es steht auf einmal eine Kuh auf der Strecke oder ein Wetterumschwung verwandelt die Schotterpiste in ein Schlammloch. Unverhofft kommt hier oft, da sind Reifenplatzer noch die harmlosestes Zwischenfällte. Die Mechaniker sind auf alles vorbereitet, können in 12 Minuten ganze Getriebe austauschen, und müssen dennoch manchmal improvisieren.

Und von diesen Argumenten lassen sich wohl immer mehr überzeugen. Herr Räikkönen hat sich noch nicht zu einer finalen Äußerung hinreißen lassen, aber ich denke es ist ziemlich wahrscheinlich, dass er in der nächsten Saison voll dabei sein wird. Genauso wie übrigens youtube-Legende Ken Block (einfach mal nach „gymkhana two“ suchen), der in diesem Jahr nur bei einzelnen Etappen Erfahrung sammelt. Der Rennstall Prodrive will nächstes Jahr einen Mini Countryman ins Rennen schicken, ab 2012 dann alle Rennen bestreiten und ganz vorne mitfahren. Sogar VW überlegt, langfristig einen Scirocco in der WRC einzusetzen.

Plötzlich hat jeder eine Rallyetradition, an die er anknüpfen möchte. Mitarbeiter von Saab, die dringend gute Nachrichten brauchen können, haben sich ebenfalls bereits mit Verantwortlichen der WRC getroffen. Auch die zeitgemäßen Reglementänderungen zur nächsten Saison werden dazu beigetragen haben, dass die WRC wieder für mehr Hersteller attraktiv wird.

All diese Argumente waren Grund genug, am Wochenende einmal bei der Deutschland Rallye vorbei zu schauen, genauer bei der berüchtigten Panzerplatte. Die Deutschland Rallye findet fast nur auf Asphalt statt, daher (leider) kein herumfliegender Schlamm. Aber interessant war es trotzdem, vor allem weil man hier, auch anders als in der Formel 1, wirklich nah am Geschehen ist. Wie man auf den Fotos hoffentlich erkennen kann.

Zugegeben, auch hier herrscht zumindest auf der Ergebnisseite seit Jahren eine gewisse Eintönigkeit und ja, Sebastian Loeb hat auch diese Etappe gewonnen. Hier ist er, dicht gefolgt (nur hier allerdings) von Mr. Ken Block.

Links:

Kimi Räikkönen: 10 Dinge, die in der WRC anders laufen.

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2 Antworten zu Rallye Deutschland 2010

  1. flo schreibt:

    awesome day dude

  2. Chris schreibt:

    Das Bild mit dem gelben Mitsubishi das Du vom Boden aus gemacht hast gefällt mir gut. Die Perspektive ist sehr schön. Durch das Gras ist auch eine gewisse Tiefe da.

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