Steve und die 24 Stunden

Ich habe noch nie verstanden, was alle an James Dean finden.

Denn es ist ja wohl offensichtlich, dass Steve McQueen die mit Abstand coolste Sau war, die jemals über diesen Planeten gewandelt ist. Wer jemals Bullitt gesehen hat, wird mir zustimmen.

Was James und Steve jedenfalls teilten, war die Begeisterung für den Motorsport – so waren beide selbst Amateur-Rennfahrer. Leider weilte nur einer der beiden lang genug auf dieser Erde, um das weiterzuverfolgen. So weit, dass er fast in einem Team mit Jackie Stewart die 24 Stunden von Le Mans gefahren wäre. Da es nicht dazu kam, tat McQueen halt was er sonst noch konnte, und drehte einen Film über das Rennen. Er war derart motiviert, dass der erste Regisseur entnervt aufgab, weil der Schauspieler ihm ständig ins Handwerk redete.

McQueens ursprünliche Idee war eigentlich eine Art dramatisierter Dokumentarfilm, bevor irgendwelche Produzenten um ihr Geld fürchteten und unbedingt noch einen flachen Plot mit Liebesgeschichte einflechten mussten. Aber die ursprüngliche Absicht scheint noch durch, vor allem in den unendlich lang erscheinenden Anfangsszenen, die das Geschehen um das Rennen herum einfangen. Die Rolle des Erzählers übernimmt der Stadionsprecher, der sowohl den Zuschauern als auch auch den Kinobesucher in die Welt von Le Mans einzuführen scheint.

Der Film mag aus den Siebzigern sein und die damaligen Rennwagen wären nach heutigem Standard wahrscheinlich wenig mehr als Blechdosen mit Rädern (wenn auch mit 600 PS nicht untermotorisiert), aber das Gefühl, die Atmosphäre, die Spannung des Motorsports ist zum Greifen nahe. Gerade weil der Zuschauer zu Beginn so lange mit den Bildern allein gelassen wird. Und diese wirken auch deshalb so authentisch, weil sie es sind. Ein Großteil der Rennaufnahmen stammt aus McQueens eigenem Porsche 908, den er mit drei Kameras bestüchte und 1970 in Le Mans starten ließ. Der Wagen lief aufgrund des Mehrgewichts und den ewig langen Boxenstopps, bei denen die Filmrollen ausgetauscht wurden, zwar außer Konkurrenz. Aber am Ende des Rennens war er einer der nur zehn Wagen, die überhaupt noch liefen, und hatte über zehn Kilometer Filmband abgeliefert. Dass McQueen selbst nicht fahren durfte, muss ihm das Herz gebrochen haben.

Der Mangel an Dialogen und echter Handlung führte leider dazu, dass der Film ein kompletter Reinfall an den Kassen wurde. Ich würde ihn auch nicht als Film für einen netten Abend zu zweit empfehlen – es ist sozusagen ein echter Männerfilm. Auf den ersten Dialog wartet man ganze 37 Minuten, und auch was danach kommt paßt sicher locker auf zwei DIN A4 Seiten. Den Großteil des Films hört man eigentlich nur Motorengebrüll – gutes Zwölfzylinder Motorengebrüll. Und es gibt eine Explosion. Vielleicht wollte das Hollywood auch so.

„Racing is life. Anything that happens before or after, it’s just waiting.“

– Michael Delaney (Steve McQueen)

Links:

imdb: Le Mans (1971)

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