„Die sind alle ein bisschen Banane hier“

Die 24 Stunden vom Nürburgring, Highlight der Saison in der Eifel. Vielleicht muss man tatsächlich ein bisschen verrückt sein, um bereits am Montag vor dem Rennen anzureisen, nur um sich einen Zeltplatz direkt neben der Rennstrecke zu sichern. Um Kühlschränke und Generatoren anzuschleppen, um eine Woche lang tagsüber Autorennen zu gucken und abends im Diskozelt nebenan Parties zu feiern. Um 24 Stunden wach zu bleiben und im Eifel-Wetter unter selbst konstruierten Regenplanen auszuharren. Und das am Ende auch noch Urlaub zu nennen.


Wenn das so ist, muss es eine Menge Verrückte geben. Die Zuschauerzahlen liegen weit über dem Niveau von Rock am Ring. Und es kommen bei weitem nicht nur BMW Klubs oder irgendwelche Randgruppen. Familienausflüge sitzen genauso auf den Rängen wie Rentnerpärchen, die sich mit ihrer Ringcard einen heißen Tee holen, wenn es regnet. Viele kommen mehrmals im Jahr an die Nordschleife… DTM, Formel 1, Bike WM, irgendwas ist immer.




Das Highlight ist aber klar das 24 Stunden Rennen. Mit nur wenigen Werksteams hat es seit 39 Jahren bis heute einen eigenen Charakter, da Amateurteams in alten Kleinwagen im selben Rennen starten wie professionelle Privatteams auf hochgezüchteten GT-Maschinen. Dabei auch immer interessante Exoten, aber dazu später mehr. Das führt zu einem enormen Starterfeld, in diesem Jahr knapp 250 Fahrzeuge. Da braucht man für die Startaufstellung schonmal die gesamte Start-/Zielgerade. Und obwohl in drei Staffeln gestartet wird, kann es in der ersten Kurve recht eng werden.


Es ist nicht nur die Möglichkeit, sich drei Meter entfernt vom 200+ km/h-Renngeschehen zu betten, die das Eifelrennen so spannend macht. Auch sonst ist man sozusagen sehr nah dran: Hinz und Kunz kann durchs Fahrerlager schlendern und den Ingenieuren bei der Arbeit über die Schulter schauen.




Erkannt? Die 24 Stunden auf der Nordschleife waren das anvisierte Ziel des Projektes P4/5 (siehe hier). Hierauf hatte das Team hingearbeitet, hier wollte man einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Die Aufmerksamkeit des Publikums war gewiss, schon während des Qualifyings erntete der Wagen für jede Ausfahrt Applaus. Während des Rennens konnte der Wagen zwischenzeitlich gar das Tempo der Spitzengruppe mitgehen, doch ein Reifenschaden warf das Team erstmals zurück, daraus resultierten Folgeschäden wegen der der Wagen immer wieder in die Box musste. Am Ende: Platz 39, aber für ein derartiges Projekt ist schon das Passieren der Zielflagge ein Erfolg.

Damit sind wir schon beim nächsten Projekt, Aston Martin hat die 24 Stunden genutzt, um den V12 Zagato warm zu laufen. Wie jeder Aston Martin natürlich eine Augenweide, selbst mit Rennwagen-Spoilern. Und auch hier gilt es als Erfolg, die Zielflagge gesehen zu haben.

Nicht zu vergessen: Letztes Wochenende war auch das Ende einer Ära. Hans-Joachim Stuck bezwang ein allerletztes Mal die Nordschleife, mit einem besonderen Team: Am Steuer des Renn-Gallardo wechselte er sich mit seinen beiden Söhnen Johannes und Ferdinand ab. Eine gelungene Abschiedsvorstellung für den Altmeister. Der ehemalige Formel 1- und DTM-Pilot, der seit Beginn seiner Karriere auf der Nordschleife zu Hause war, sah am Ende die Zielflagge als 15., ein durchaus beachtlicher Erfolg für ein Team, dass mehr oder weniger zum Spaß angetreten war.

Bei den Exoten im Starterfeld darf natürlich auch der Opel Manta von Kießling Sport nicht fehlen, der seit 2003 dabei ist. Ja, richtig gelesen, ein Opel Manta B, Produktionszeitraum 1975-1988, Star der deutschen Stilblüte „Manta Manta“. Verpaßte leider den Gesamtsieg, ich glaube, das lag vor allem am Luftwiderstand des mitgeführten Fuchsschwanzes.

Kommen wir damit zur wichtigsten und subjektivsten Wertung: Dem Preis für den besten Motorsound. Bedeutend, weil man 24 Stunden lang damit konfrontiert ist. Und der Gesamtsieg geht an: Den SLS AMG GT3. Dicht gefolgt vom BMW Z4 GT3. Gibt es beide unter Links als Video zum Selber hören.

Achso ja, das Ergebnis. Irgend ein Porsche hat gewonnen, Team Mantha oder so. Aber ist ja auch egal, eigentlich.

Links:

Die komplette Bildergalerie ist auf der Facebook-Seite des Blogs zu finden.

Sound des SLS AMG GT3
Sound des Z4 GT3

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