Etikettenschwindel

Jeder kennt die kleinen Etiketten, die auf der Innenseite von Kühlschränken stehen und ihre Umweltfreundlichkeit angeben – A für gut zu den Blumen bis F für schlecht zu den Blumen. So kann jeder beim Kühlschrankkauf selbst entscheiden, wie er zu den Blumen sein möchte.

Und da der Konsument grundsätzlich an der Hand zu nehmen ist, selbst wenn er eine so wichtige Anschaffung wie ein neues Auto tätigen will, soll es eine solche Etikette nun auch für Automobile geben – der Vorschlag wurde bereits vom Bundestag abgenickt. Eine gute Idee, denn obwohl die meisten Autokäufer sicherlich auch ohne eine solche wissen würden, ob ihr neues Gefährt umweltfreundlich ist, so vergrößert eine solche Etikettierung sozialen Druck und schafft Akzeptanz für sparsame Autos.

Das heißt, wenn man es richtig machen würde. Leider wissen wir spätestens seit der Abwrackprämie, dass die deutsche Politik kaum als unabhängig von der Automobilindustrie gelten kann. Der Umwelt hat die Abwrackprämie überhaupt nichts gebracht, es war eine reine Subventionsmaßnahme, mit der man den Autoabsatz während der Krise künstlich ankurbelte. Schon damals wurden wirtschaftliche Interessen in ein grünes Deckmäntelchen gehüllt.

Bei der neuen Etikettierung findet ein ähnliches Prinzip statt. Denn einerseits werden die Umweltvorteile kleiner, leichter und meist ausländischer Autos relativiert. Zweitens werden Modelle wie der Porsche Cayenne, der grundsätzlich und auch mit Hybridantrieb nicht umweltfreundlich ist, als grüne Innovationen verkauft. Der Grund hierfür liegt in der Berechnung der Etiketten. In einer komplizierten Formel werden vereinfacht gesagt CO2-Ausstoß und Fahrzeuggewicht ins Verhältnis gesetzt. Ein Beispiel: Natürlich wird ein Mittelklassewagen, der aufgrund effizienter Motortechnik nur 120 Gramm CO2 emittiert, als grün eingestuft, angenommen „B“. Nun kommt ein Kleinwagen daher, der nur 110 Gramm ausstößt. Weil er aber 300 Kilogramm leichter ist als der Mittelklassewagen, gilt er als weniger effizient und bekommt nur die Einstufung „C“.

Und so kann ein Audi Q7 mit Drei-Liter Diesel und fast 200 Gramm CO2 das schicke „B“-Label absahnen, und gilt damit als umweltschonender als ein Smart CDI. Der ist zwar mit nur 86 Gramm Co2 und 4,5 Litern Verbrauch eines der umweltfreundlichsten Fahrzeuge im Angebot, aber eben auch weil er nur 770 kg wiegt. Der Q7 kann mit fast 2,5 Tonnen aufwarten und gilt deshalb als höchst effizient. So gesehen ist auch ein Leopard 2 Panzer effizient, der zwar rund 400 Liter auf 100 Kilometern verbraucht. Aber mit 62 Tonnen Eigengewicht schafft er es immerhin noch in Energieffizienzklasse E.

Zu Recht laufen Verbände, aber auch das Ausland, das die eigenen Produkte benachtleiligt sieht, Sturm gegen den Vorschlag. Dieser zeigt aber nicht nur, dass die Politik mal wieder vor der mächtigsten Industrie dieses Landes kuscht, sondern auch wie wenig die Autohersteller noch zum Umdenken bereit sind. Effizienz ist gut und schön, aber wer den Verbrauch einer zwei-Tonnen Limousine um 10 Prozent reduziert dreht letztenendes nur an Stellschrauben, ohne wirklich innovativ zu sein. Was wir brauchen, sind andere Autos, leichter, bescheidener und daher umweltfreundlicher. Aber wenn man liest, dass Porsche-Ingenieure stolz erzählen, dass der neue 911 ganze 35 (!) Kilogramm leichter sein wird als sein Vorgänger, kommt man nicht umhin zu denken, dass die Herren immernoch mit Stellschrauben beschäftigt sind.

Quellen
Beispielliste der Verbrauchskennzeichnung für Pkw-Modelle (VCD)
autobild.de

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