Der Bundes-Wulff, die arme Socke.

Viel wird momentan diskutiert über die vermeintliche Ähnlichkeit der Affäre Wulff mit dem Casus von und zu Guttenberg. Eines haben aber beide tatsächlich gemeinsam: der eigentliche Skandal liegt in der Kommunikation, nicht in der Sache selbst.

Denn sowohl Guttenberg wie auch Wulff schlüpften nach Aufkommen ihrer jeweiligen Skandale in einer derartigen Selbstverständlichkeit in eine Opferrolle, dass einem die Haare zu Berge stehen müssten.
Das war schon bei Guttenberg so. Wer über dessen offensichtliche urheberrechtlichen Verstöße diskutieren wollte, musste sich den Vorwurf anhören, eine „Hetzkampagne“ zu führen und nur neidisch auf den armen, armen Mann und seine politische Karriere zu sein. Der Tatbestand des geistigen Diebstahls wurde als Kavaliersdelikt abgetan und gegenüber Guttenbergs sonstiger „Aufrichtigkeit“ als nicht weiter relevant bezeichnet. Woher der ehemalige Verteidigungsminister dieses Image überhaupt hatte, ist bis heute ein Rätsel, obwohl es Hinweise gibt, seine Brille wäre maßgeblich daran beteiligt gewesen. Dieses Image trägt dazu bei, dass der Herr die Frechheit besitzen darf, bereits nach neun Monaten durch Europa zu schneien und auch noch mit offenen Armen empfangen zu werden.
Gestern Abend hat sich Kardinal Meisner zu Christian Wulff’s Affäre geäußert, und dabei war der wichtige Teil seiner Aussage nicht, er an Wulffs Stelle würde seinen Hirtenstab zurückgeben. Viel interessanter war die Einleitung des Satzes: „Wenn mir so etwas passieren würde“, also so etwas Unvorhergesehenes, ein Unfall, ein Schicksalsschlag! Das wäre natürlich vor allem eines: ganz großes Pech! Es ist genau dieselbe Opferrolle, auf die konservative Fürsprecher abzielen, wenn sie ein Ende der Diskussion fordern mit der Begründung, man beschädige damit das Amt des Bundespräsidenten. Nach dieser moralischen Perversion sind nun also diejenigen, die Aufklärung fordern und Anklage erheben schuld daran, dass das Image unserer politischen Klasse leidet.

Dass aber genau jenes Aufklären nötig ist, beweist uns Herr Wulff ja jeden Tag aufs neue. Denn im Tagesrythmus passen seine Anwälte ihre Darstellung der Dinge den neuesten Enthüllungen an. Was die SPD mit der schönen Vokabel der „Salamitaktik“ umschrieben hat, ist genau dieselbe Strategie, die schon Guttenberg angewendet hat: Das Zugeständnis der kleinen Schritte. Wie beim sogenannten KT könnte man fast meinen, Wulffs PR-Leute sitzen jeden morgen zusammen, schauen in der Zeitung was heute enthüllt wird und schreiben daraufhin ein Schuldzugeständnis. Welche Glaubwürdigkeit kann ein Mann haben, der alle drei Tage etwas anderes behauptet? Vor einer Woche hatte er niemals einen Kredit bei Herr Geerkens, vorgestern hatte er einen Frau Geerkens, gestern einen bei Frau Geerkens aber unter Beteiligung ihres Mannes, heute war es wohl tatsächlich das Geld ihres Mannes. Und nun soll ein normal denkender Mensch allen Ernstes glauben, dass jemand für über 40.000 Euro Anzeigen für Wulffs Buch schaltet und dieser nicht einmal wusste wer da für ihn wirbt? Ernsthaft?

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Eine Antwort zu Der Bundes-Wulff, die arme Socke.

  1. muetzenfalterin schreibt:

    Gefällt mir sehr gut, diese Zuspitzung auf die Opferrolle. Wobei Zuspitzung nicht das richtige Wort ist, eher Fokussierung. Das war mir bislang nicht selbst in den Sinn gekommen, aber es ist wahr, was Guttenberg und Wulff „passiert“ ist kein Schicksalsschlag, sondern die Konsequenz des eigenen Handelns. Wenn solche Politiker nicht nur tragbar sind, sondern auch noch als Opfer wahrgenommen werden, muss eine die Politik, die gemacht wird nicht mehr wundern.

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