Das Ende der Welt. Um die Ecke.

Vielleicht sind es sogar die Stadtmenschen, die die Natur und die Landluft am meisten zu schätzen wissen. Auch wenn sie tagtäglich ohne sie wunderbar auskommen. Ohne zu murren teilen sie sich mit tausenden Menschen ihren statistischen Quadratkilometer, zwängen sich zwischen Häuserschluchten hindurch, steigen in überfüllte S-Bahnen. Sie wollen das so, denn überfüllte S-Bahnen bedeuten, das was los ist.

Sie könnten daher nie auf dem Land leben, da ist ja nichts los, da ist ja keiner. Gerade weil man aber in der Stadt ständig von derart vielen Menschen umgeben ist, kann die Abgeschiedenheit auf dem Land sehr entspannend sein. Daher hat eine Fahrt „ins Grüne“ für mich immer etwas von Urlaub gehabt, eben weil der Kontrast zum Alltag so groß ist. Nicht umsonst versucht Urlaubswerbung, uns mit einsamen Stränden zu ködern – Beach-Party hat man ja inzwischen auch auf innerstädtischen Parkhausdächern. Ich habe mal einen Freund in seinem Sommerhaus in Finnland besucht, und war fasziniert von der Tatsache, dass sein Nachbar drei Kilometer entfernt wohnte. Dazwischen? Nichts! Unvorstellbar. Man möchte dort nicht leben, aber für mich war die Abgeschiedenheit an sich etwas besonderes.

Dabei muss man manchmal gar nicht besonders so weit fahren, um diese Einsamkeit zu erleben. Wer etwa in Berlin wohnt, kann sie auf einem Familienausflug in die brandenburgische Uckermark (hier bitte Witz mit Angela Merkel denken) bereits erleben. A11 in Richtung Stettin, Ausfahrt sieben Richtung Warnitz, und schon wird es still. Nicht nur im Auto, wo eben noch mit geübter Hauptstadt-Arroganz Rainald Grebe rezitiert wurde. Das Rauschen der Autobahn verschwindet und wird ersetzt durch – nichts. Andächtig rumpelt man über verloren geglaubtes Kopfsteinpflaster durch die Stille eines verregneten, winterlich-dunklen Waldes und glaubt plötzlich wieder an die Hexe Baba Jaga, die in einem Haus wohnt, das auf einem Hühnerbein durch den Wald läuft. Die Uckermark ist eine der am dünnsten besiedelten Regionen Deutschlands, doch hier, zwischen über die Ufer tretenden Waldseen und verwitternden Verkehrsschildern, scheint überhaupt niemand zu sein.



Was natürlich nicht stimmt – jedenfalls ist man von finnischen Verhältnissen weit entfernt. Doch gerade im Spätherbst oder Winter, ohne den Sommertourismus, fühlt man sich ziemlich allein auf weiter Flur. Hier, wo es nicht einmal leerstehende Gewerberäume gibt und die gesamte Bevölkerung der Umgebung abends in eine Kneipe zu passen scheint, kann man wunderbar für sich sein. Wir haben es ja verlernt, allein zu sein, es sind ja auch immer tausende Menschen in der Nähe. Sind wir tatsächlich einmal für uns, suchen wir sofort per Smartphone Anschluss an die Welt. Aber fahr im Winter in die Uckermark, und du bist allein – kaum vorhandener Handy-Empfang hilft dabei natürlich. Wenn man sich darauf einlässt, kann es ziemlich erholsam sein. Ok, es ist kein einsamer Strand mit tropischen Temperaturen wie in der Werbung, aber wenn Urlaub die gefühlte Distanz zum Alltag ist, ist das hier das Ende der Welt.



Natürlich macht man sich am letzten Abend trotzdem darüber lustig, dass der nächste Supermarkt eine halbe Stunde Fahrt entfernt und hier ja auch sonst der Hund begraben ist. Man wird trotzdem während der Heimfahrt noch einmal andächtig ins Land schauen und sehr still sein. Bis in die laute volle Stadt ist es ja nur eine Stunde Fahrt.

Die Bilder hier sind natürlich nur die Spitze des Eisbergs. Die komplette Galerie ist auf der Facebook-Seite von Da vorne links zu finden.

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Eine Antwort zu Das Ende der Welt. Um die Ecke.

  1. opabo schreibt:

    Sehr schöne Bilder. Es lebe die weitläufige Natur! Die Gegend nördlich von Berlin ist da sehr passend, bin dort früher oft mit dem Krad unterwegs gewesen.

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