That’s the spirit.

Man könnte fast meinen, die Zeit der Road Trips ist vorbei. In Zeiten von Billigflügen und hohen Benzinpreisen verliert das Auto seine Attraktivität als Verkehrsmittel für die Langstrecke, und wer 25 Tage Urlaub im Jahr hat, möchte nicht die Hälfte davon hinter dem Steuer verbringen. Er braucht effektive Erholung, schnell ab ins Paradies, da sofort an den Strand, Foto machen, Sonne check, Blaues Wasser check, Palmen check, Facebook-Status updaten.

Und trotzdem ist für die meisten von uns die Idee, mit dem eigenen Auto unterwegs zu sein, einfach hinzufahren wo man will, immernoch sehr attraktiv. Man hat Pläne wie eine große Tour an der amerikanischen Ostküste entlang, oder durch Europa, oder Australien. Einfach unterwegs sein, sich nicht festlegen lassen. Wie die Protagonisten im Klassiker „On the Road“, die unermüdlich von Ort zu Ort fahren, sich aber nirgendwo zurecht finden, nur auf der Straße glücklich sind.

Ist wirklicher Urlaub vom Alltag nicht die Freiheit von Fremdbestimmung? Mit nichts anderem lässt sich diese so gut abschütteln wie mit dem Auto. Deswegen haben wir diese Pläne immernoch. Einen ähnlichen Plan hatte auch Gunther Holtorf, als er mit seiner Lebensgefährtin und einer Mercedes G-Klasse zu einem 18-monatigen Trip nach Afrika aufbrach. Das war vor 23 Jahren. Angekommen ist er immernoch nicht. In Vietnam hat er sich nun mit einem Fotografen getroffen, der hier seine Geschichte erzählt.

Was Einstein einst über Wissen sagte, sagt Gunther über das Reisen: je mehr man sieht, desto mehr wird einem klar, wie wenig man erst gesehen hat. Dabei sieht gerade der, der mit dem Auto unterwegs ist so viel, er sucht sich seinen Weg durch Länder, über die andere hinwegfliegen. Er folgt spontan Tipps von Einheimischen, und wenn es ihm gefällt, bleibt er einfach.

Gunther ist bisher nirgendwo geblieben. Seit er kurz nach der Wende losgefahren ist, hat er über 800.000 km hinter sich gebracht, also etwa 20 Mal die Erde umrundet. Wie im Video zu sehen ist, gibt es sozusagen keinen Ort auf der Welt, an dem er nicht schon war. Es gibt wohl nur wenige Menschen, die das von sich behaupten können.

Und es gibt sicherlich noch weniger Automobile, die auf eine derartige Geschichte zurückgreifen kann wie die G-Klasse von Gunther Holtorf, der seinen Wagen liebevoll „Otto“ nennt. Viele Menschen (vor allem Deutsche) lieben ihre Autos, aber die wenigsten werden einen Gefährten haben wie Otto, der für Gunther nicht nur Fortbewegungsmittel, sondern auch Schlafzimmer und Küche ist. Und einen so zuverlässigen: Angeblich hat Otto seinen Fahrer noch nie im Stich gelassen. Eine Geschichte, die Mercedes natürlich mit Freude erzählt. Dank dem Hersteller mit dem Stern kann man heute aber immerhin sehen, wo Gunther und Otto schon überall waren (siehe Karte unten). Und wer weiß, vielleicht wäre diese Geschichte sonst nie erzählt worden – Gunther hat natürlich weder Facebook noch Twitter.


Lustiges Spiel: Finde ein Land, in dem Gunther und Otto noch nicht waren.

Und zum Schluss noch kurz in eigener Sache: Auf weniger Geschichte als Gunther und Otto kann dieser Blog verweisen, aber dennoch stehen hier und heute zwei Jahre mit 26 Posts in der Statistik. Das macht etwa einen pro Monat, was sicher ausbaufähig ist. Mich aber nicht davon abhält, ein wenig stolz zu sein. Beste Grüße an alle Leser!

Quellen
autoblog.com
topgear.com
off-road.de

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Deutsch, Klassik, Unterwegs abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s