20 years ago

Es war das Jahr 1993, und die Welt noch in Katerstimmung vom Kalten Krieg. Brot und Butter war das Gebot der Stunde, die Welt hatte noch keine Vorstellung davon, was ein Bugatti Veyron ist oder ein Ferrari Enzo. Lamborghini baute während der 90er nur ein Modell, Marken wie Pagani gab es noch überhaupt nicht. In diese Welt knallte der McLaren F1, und es ist heute kaum vorstellbar, wie er auf die Zeitgenossen gewirkt haben muss.

In jeglicher Hinsicht sprengte der vom englischen Rennstall gebaute Sportwagen alle bisherigen Vorstellungen über Autos für die Straße. Das begann bei der Leistung, die den F1 zum König jedes Autoquartetts machte und über ein Jahrzehnt auf den Thron des schnellsten Serienautos der Welt hiefte. Es bedurfte schon eines erneut irrwitzigen Sportwagens, ihn zu verdrängen, nämlich des Eingangs erwähnten Veyron. Chefingenieur Gordon Murray ging beim McLaren F1 keine Kompromisse ein, nahm als erster für einen Serienwagen Karbonfaser in die Hand, setzte den Fahrer in die Mitte des Cockpits, isolierte die Hitze des Motors mit purem Gold und ließ sich von BMW einen Motor mit über 600 PS bauen. Um das in Perspektive zu setzen: Spitzenmodelle von Ferrari und Lamborghini bewegten sich damals um die 500 PS.

Und die waren auch noch schwerer. Dank des konsequenten Leichtbaus wog der F1 dabei nur etwas mehr als eine Tonne, ein bis heute kaum erreichter Wert in dem Segment. Auch, weil eine Menge weg gelassen wurde: etwa ABS, Servolenkung oder Bremskraftverstärker. Das Fahrerlebnis sollte so pur wie möglich sein, weshalb auch auf einen Turbo verzichtet wurde. Der Motor war auch so stark genug, um ein eigens entwickeltes Getriebe zu benötigen. All dies führte dazu, dass auch der Preis alle bisherigen Vorstellungen sprengte: Eine halbe Million Pfund. Nur 106 Exemplare wurden gebaut, 1998 lief der letzte vom Band. Legendär ist er bis heute, eben dank dieser Kompromisslosigkeit.

Das alles ist nun etwa zwanzig Jahre her, da ist es sicher kein Zufall, dass McLaren nun mit einem neuen Modell aufwartet. Nach dem F1 kam lange nichts für die Straße vom englischen Rennstall, seit gut zwei Jahren steht mit dem MP4-12C ein Mittelmotorsportwagen im Verkaufsraum. Und nun? Soll etwas neues kommen, nur was, darüber schweigt McLaren sich aus. Es gibt nur diesen, sehr coolen Video-Teaser:

Was auch immer es wird, es wird kaum so revolutionär sein wie der F1. Nach heutigen Standards würde das etwa 1500 PS heißen, auch die Technik hat sich weiterentwickelt: Moderne Sportwagen sind wie der Eurofighter instabil gebaut und werden quasi nur vom Computer auf der Straße gehalten. Unwahrschienlich also, dass McLaren diesmal wieder auf ABS verzichten wird. Aber gespannt sein darf man trotzdem. Auf der diesjährigen Automesse in Paris wird es am 27. September enthüllt. Was immer „es“ auch sein wird.

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2 Antworten zu 20 years ago

  1. sonnemohn schreibt:

    Hm ich habe mich ja nie für Autogeschichte interessiert. Aber dieser Beitrag ist schön und informativ geschrieben. Das was richtig interessant.

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