Pacenotes (I): South Africa

Zwei Dinge fallen auf. Zunächst ist hier nichts mehr passiert, doch ich habe eine passende Ausrede parat: Ich war gar nicht hier. Nach der Abgabe meiner Abschlussarbeit habe ich Freunden in Südafrika einen mehrwöchigen Besuch zugemutet und mich bei der Gelegenheit ein wenig umgesehen. Zweitens ist dies nun schon die zweite Serie, die ich innerhalb kürzester Zeit starte. Während es bei „It’s Alive“ vor allem um Andere geht, soll diese Reihe eine persönlichere Note haben. In Anlehnung an die Streckennotizen, die Rallyefahrer von ihren Beifahrern vorgebetet bekommen („pacenotes“), will ich hier ebenfalls Notizen sammeln, die auf manchmal abseitigen Wegen entstanden sind.

Um was geht es? Ich habe schon einmal davon geschrieben, dass die Freiheitsidee des Automobils besonders in der Freizeit, vor allem im Urlaub zum Tragen kommt. Was bringt mir die Freiheit, überall hin fahren zu können, wenn ich um neun im Büro sein muss? Eben. Und im Urlaub? Nichts ist schlimmer als die Vorstellung, von einem Reisebus bei vorher ausgewählten Sehenswürdigkeiten abgeliefert zu werden. Selber gucken! In dieser Serie will ich daher persönliche Reiseberichte sammeln, die sich nicht nur, aber in besonderer Weise mit dem Fahren auseinandersetzen. Und um die Latte direkt mal hoch zu legen, beginnen wir nicht mit Camping in Mecklenburg, sondern mit Südafrika.

1Einem Land, in dem das Auto zunächst als unerlässlich für jeden Besucher erscheint. Erstens sollte es in den meisten Städten leider immer noch tunlichst vermieden werden, nach Einbruch der Dunkelheit zu Fuss unterwegs zu sein. Zweitens wollen schließlich sämtliche Naturparks erschlossen werden, was meist nur mit eigenem Automobil geht. Dennoch sind die meisten Touristen hier Rucksackreisende. Dreh- und Angelpunkt des Tourismus in Südafrika ist die Garden Route, die sich über rund 800 Kilometern zwischen Kapstadt und Port Elizabeth an der Küste entlang schlängelt. Die meisten Reisenden lassen sich hier von halb-öffentlichen Bussen von Hostel zu Hostel kutschieren – was wohl gut funktioniert, aber es war klar, dass dies für mich keine Alternative war.

Der Plan stattdessen: Mit dem Mietwagen in einer Woche von Port Elizabeth nach Kapstadt, von dort mit dem Flugzeug zurück. Die Herausforderung war natürlich weniger die Strecke, sondern auf dem Weg soviel von der Garden Route zu sehen wie möglich. Also auf der falschen Seite eingestiegen und los – natürlich herrscht in Südafrika Linksverkehr. Bereits 60 Kilometer hinter Port Elizabeth ist es fast egal, wo man wieder aussteigt, denn schön ist es überall. Die Garden Route rechtfertigt ihren Namen mit üppiger Vegetation und reichem Tievorkommen. Nicht nur in einem der zahlreichen Naturparks, Paviane sitzen etwa gern am Straßenrand herum und erinnern einen dann doch daran, dass man nicht in Europa ist. Das kann man auf der Garden Route schon einmal vergessen: Afrikareisende sagen gern Südafrika sei „nicht wirklich Afrika“, und das trifft auf die Garden Route allemal zu. Davon abgesehen, dass man keine Anhalter mitnehmen sollte, ist die Sicherheit hier extrem hoch, die Straßen sind in bestem Zustand, die Hostels sehr ordentlich, es gibt sogar Biobauern.

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Was nicht bedeuten soll, dass es langweilig ist, wenn auch weniger Abenteuer als man an anderen Stellen in Afrika haben kann. Dafür hat die Garden Route auf jedes Freizeitbedürfnis eine Antwort, hier kann man wirklich alles machen: Wandern, Surfen, Klettern, Radfahren, Reiten, Kitesurfen, Paragliding, Bungeejumping, Kanu fahren, Tauchen… das Angebot ist so reichhaltig, dass man auch gerne mal einen Tag hätte, an dem man einfach im Hostel ausschläft und den ganzen Tag auf der Veranda vergammelt. Das war uns leider nicht vergönnt, der Zeitplan mit sieben Tagen dafür einfach zu knapp – aber die Vielseitigkeit findet sich auf der Straße wieder. Der Weg nach Kapstadt führt über imposante Küstenstraßen, endlose Überlandstrecken, kurvenreiche Passstraßen, und wer es darauf anlegt, kann den Mietwagen in den Naturreservaten über Stock und Stein jagen. Die gibt es hier quasi an jeder Ecke, und sie sind voll mit Tieren.

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Die schönsten Sehenswürdigkeiten in Südafrika haben Fell. Oder einen Rüssel. Obiges Foto entstand im Lion’s Park nahe Port Elizabeth. Das Schöne ist, dass man in die meisten Parks eingelassen wird und sich dann selbst auf die Suche nach den Tieren machen muss. Im Addo Elephant Park etwa wurde stundenlanges Suchen erst am letzten Wasserloch belohnt.

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Auf der Fahrt nach Kapstadt sollten wir noch einigen Tieren begegnen. Die Garden Route ist nur so gesäumt von Naturparks, und in den meisten kann man auch direkt übernachten, wie hier im Tsitsikamma National Park. Zelten 20 Meter entfernt vom indischen Ozean? Geht hier. Wer es komfortabler mag, kann aber auch in einer Holzhütte schlafen.

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Letztendlich ist es aber fast egal, wo man sich bettet. Die Hostels sind fast alle in ordentlichem Zustand, liebevoll eingerichtet, günstig und fast immer schön gelegen. Wie hier in Wilderness im Beach House, das seinen Namen mit Recht trägt.

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Auf dem Weg nach Kapstadt folgte nun ein längerer Abschnitt übers Land. Die Vielfalt des Landes spiegelt sich auf der Straße wieder, nach den malerischen Küstenstraßen folgten nun mehrere hundert Kilometer vorbei an Feldern, Straußenfarmen und weiten Blicken. Kurz vor Kapstadt hat man die Chance, eine der schönsten Küstenstraßen der Welt abzufahren, die R44 von Betty’s Bay nach Gordon’s Bay. In langgezogenen Kurven legt sie sich um die Küstenlinie und eröffnet alle paar hundert Meter spektakuläre Blicke. Wer zur richtigen Jahreszeit kommt, kann von hier außerdem noch Wale beobachten.

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Sieht aus wie Postkarte, wa? In Kapstadt angekommen, ging es gleich wieder weg – nämlich ans Kap. Ein schöner Tagesausflug, bei dem man auch in Simon’s Town vorbei kommt. An der Stadt ist wenig besonders, aber auf den Felsen der Bucht lebt eine Pinguinkolonnie, die sich von den Menschen nur wenig stören läßt. Wie man sehen kann.

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Und hier ist unser Mietwagen (der bei sieben Tage Mietdauer übrigens nur 100 Euro gekostet hat, keine 10.000 km gelaufen war und auch sonst nichts zu wünschen übrig lies) am Kap der Guten Hoffnung. Links daneben: Zwei sich bedeckt haltende Herren von Mercedes, die eine leicht getarnte Version der neuen S-Klasse (kommt im Herbst) spazieren fahren. Viele Hersteller sind hier unterwegs: Das Land bietet alle Arten von Straßenverhältnissen und man ist weit weg von europäischen Fotoreportern. Mal gucken was bei der IAA im Speptember unter den Aufklebern zum Vorschein kommt.

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Auf dem Rückweg nach Kapstadt kann man noch eine weitere Sehenswürdigkeit unter die Räder nehmen: Den Chapman’s Peak Drive, Anfang des 20. Jahrhunderts mit einer Menge Dynamit dem Felsen abgetrotzt und gerade erst wieder von heftigem Steinschlag befreit. Neun Kilometer nahezu perfekte Straße voller enger Kurven und grandioser Ausblicke. Dafür zahlt man auch gern drei Euro Mautgebühr.

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Ein Traum. Leider verhinderte das Wetter das selbstverständlichste eines jeden Kapstadt-Besuchs – die Fahrt auf den Tafelberg. Doch hier bestätigte sich nochmals die Investition in den Mietwagen. Wenn schon nicht auf den Tafelberg, fuhren wir nachts noch einmal auf den gegenüber liegenden Lion’s Head, um von hier wenigstes den Ausblick auf den Tafelberg selbst zu genießen. Die Innenstadt von Cape Town ist seit der Fussball WM 2010 recht sicher, aber hier zu Fuss hochzulaufen ist dennoch nicht zu empfehlen.

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Am nächsten Tag erfolgte der Rückflug, es folgte noch eine Woche Entspannung. Ist noch jemand da? Heute gab es mal etwas mehr zu lesen. Was bleibt, ist die Empfehlung an alles und jeden, Südafrika zu besuchen. Und das nicht nur wegen der 30 Grad, die hier herrschten, während in Deutschland immernoch Schnee fiel. Sondern, um mal wieder barfuss Auto zu fahren, um selbst was zu entdecken, um Löwen zu streicheln und mit Seehunden zu schnorcheln.

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