Korea ftw!

Eines der großen Themen der Automobilbranche der letzten Jahre ist der Aufstieg von Hyundai-Kia. Die südkoreanische Doppelmarke ist momentan der einzige Volumenhersteller, der trotz des schwindenden europäischen Marktes ein Absatzplus verzeichnen kann – wie machen die das? Der Erfolg von Hyundai basiert letztendlich auf einer äußerst offensiven Produktstrategie. Die Modelle entwickeln sich von Generation zu Generation erheblich weiter, zudem sind die Zeiträume zwischen den Modellwechseln extrem kurz – während normalerweise ein Auto für etwa sieben Jahre inklusive Facelift am Markt ist, sind es bei Hyundai mitunter nur vier. Zusammen ergibt das ein Entwicklungstempo, dass für die Konkurrenz durchaus beängstigend sein kann.

In der Vergangenheit mussten vor allem nichtdeutsche Europäer Hyundai fürchten: Mit Kampfpreisen und langen Garantiezeiten (bei Kia sieben Jahre!) konnten die Koreaner Kleinwagenhersteller wie Peugeot und Citroën aus Frankreich oder Fiat aus Italien erfolgreich Konkurrenz machen. Den durch die Wirtschaftskrise ohnehin gebeutelten Herstellern wurden erfolgreich Marktanteile abgeluchst. Doch Hyundai-Kia will mehr: quasi die Weltherrschaft.

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Hyundai gegen VW – Das große Duell dieser Tage

Und eröffnet damit den wahrscheinlich interessantesten Zweikampf in der Automobilbranche seit langem: die Konkurrenz zu Volkswagen. Denn obwohl GM und Toyota (noch) größer sind, gilt der Mehrmarken-Konzern aus Wolfsburg als Primus der Branche, der über kurz oder lang an der Spitze stehen wird. Vor allem seit der Premiere des aktuellen i30 auf der IAA vor zwei Jahren („Doa scheppert nix“) überschlagen sich Branchenmedien mit Vergleichstests und der Beschwörung des „koreanischen Angriffs“. Der koreanische Erfolg wird in Wolfsburg genau beobachtet: Hyundai gilt als gefährlichster Konkurrent, noch vor dem von Rückrufen gebeuteltem Toyota. Ein Geheimnis des Erfolgs von Hyundai: Die Produktentwicklung ist stark auf den jeweiligen Markt abgestimmt, so werden aktuelle Hyundai-Modelle von europäischen Ingenieuren in Rüsselsheim entwickelt. Anstatt – wie in der Vergangenheit – koreanische „Billigware“ zu importieren, geben sich Hyundais Modelle bei Verarbeitung und Material immer mehr einen „Premium-Anstrich“. Das Ziel: bei diesen Merkmalen VW Konkurrenz machen, denn hier liegt ein Fundament des Wolfsburger Erfolgs.

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Bischoff, da scheppert nichts!

Damit ist das Zielpublikum inzwischen weniger die Kundschaft von Peugeot & Co., sondern die Käufer von Polo, Golf und Passat. So steigen zwar zwangsläufig auch die Preise für neue Hyundai-Modelle, vor allem ausstattungsbereinigt ist aber immer noch Luft zu VW – und die Qualität so hoch, dass sich der Kunde fragen muss, ob er diesen Aufschlag noch zahlen will. Allerdings haben die Koreaner inzwischen gemerkt, dass weiterer Erfolg nicht nur von technischer Entwicklung abhängig ist – Autokauf ist nach wie vor auch emotionale Entscheidung.

Nicht zuletzt deshalb steigt Hyundai nun in den WRC-Ring – der Zweikampf mit VW wird so ab 2014 auch auf Schotter und Staub ausgetragen. Sofortiger Erfolg gegen die norddeutsche Konkurrenz erscheint dabei allerdings unwahrscheinlich – nicht nur, weil das Hyundai-Team eine extrem kurze Entwicklungszeit zur Verfügung stand, wie der Teamchef nicht müde wird vorsorglich zu betonen. Vor allem scheint VW dieselbe technische Perfektion seiner Serienmodelle auf fast alles übertragen zu können, was sich der Hersteller vornimmt. Als Volkswagen entschied, bei der Rally Dakar einzusteigen, wurde direkt die nächsten drei Jahre der Titel geholt. Seit Audi im Jahr 2000 bei den 24 Stunden von Le Mans mit fährt, wurden 12 von 13 möglichen Titeln geholt. Seit diesem Jahr mischt VW beim World Rally Championship mit, und führt mit beiden Fahrern souverän die Gesamtwertung an. Es ist fast schon langweilig.

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Motorsport aus dem VW-Konzern dieser Tage.

Viele meinen es ist nur eine Frage der Zeit, bis VW auch in die Formel 1 einsteigt – um dort dann in ähnlicher Weise zu dominieren? Im nächsten Jahr wird es erst einmal in der WRC spannend – auch wenn sich Team Hyundai weiter in Bescheidenheit übt und sich auf die Rolle des sympathischen underdogs einschießt. Offiziell gibt es ohnehin keine Kommentare zu der sportlichen Konkurrenz mit VW, man wolle das Engagenement in der WRC hauptsächlich zur Entwicklung neuer Antriebs- und Chassiskomponenten nutzen. Keine schlechte Idee, den gerade in diesen Bereichen attestieren Vergleichstests den Koreanern noch immer einen Rückstand auf die deutsche Konkurrenz, der nicht selten den Gesamtsieg kostet. Trotzdem: Sollte Hyundai es schaffen, VW in der WRC sportlich in die Suppe zu spucken, wird es in Wolfsburg sicher noch mal scheppern.

wrc

So sieht es dann ab nächstem Jahr aus.

 

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Eine Antwort zu Korea ftw!

  1. opabo schreibt:

    Habe selbst noch Vorurteile gegenüber südkoreanischen Automarken, da meine Hyundai-Mietwagenerfahrungen eher negativ sind.. Andererseits: bzgl. Samsung hat sich da imagemässig sehr viel getan, die galten vor zirka zehn Jahren als Billighansels und sind inzwischen drauf und dran, Sony als „Part of the family“ abzulösen. Oh dear!

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