Lost in Transition.

2014-07-25 19.39.05

Seit einiger Zeit erfreuen sich Fernbusse wachsender Beliebtheit. MeinFernBus, Flixbus, BerlinlinienBus und jetzt auch noch der ADAC Postbus – Fernbusse sind das Ding. Sie graben mit den günstigen Preisen nicht nur der Bahn, sondern sogar Mitfahrgelegenheiten das Wasser ab. Denn die Preise sind auf vergleichbarem Niveau, und auch die Spontaneität muss nicht leiden: Selbst wer die Karte erst kurz vor Abfahrt direkt beim Busfahrer löst, ist nicht auf einen Schlag bettelarm.

Diese plötzlichen Massen an Passagieren bevölkern nicht nur die ehemals ausgestorbenen Busbahnhöfe deutscher Großstädte, sie beleben plötzlich die so ziemlichst trostlosesten Orte der Republik: die Raststätten. Dabei hatten diese sich schon darauf eingestellt, dass hier eigentlich nur noch Rentner Cordon Bleu essen und die Jugend aus der Umgebung abends im Autobahn-McDoof einschneit.

Plötzlich aber ergießen sich mehrere Hundertschaften Buspassagiere auf den Autohof Waltershausen, und der Imbissbesitzern . Dabei wirken die meisten Kunden hier ziemlich deplatziert. Ob Hipstermädchen auf Berlin-Ausflug, spanische Touristen, japansiche Studenten oder Junggesellenabschiede, sie alle sind vor allem eins: unterwegs zwischen Metropolen, und hier auf dem Thüringer Acker temporär gestrandet, bis der Busfahrer seine Pflichtpause beendet hat.

Sie vertreiben sich die Zeit mit wichtigen Telefonaten („keine Ahnung wo wir sind, aber dauert noch“), wagen ein paar wenige Schritte in die umgebenden Getreidefelder, Mädchen blockieren für die nächsten Stunden die einzige Toilette und bekommen von Ihren Freunden Proviant vom McCafé mitgebracht. Und alle scharren nervös mit den Hufen, wann es endlich weiter geht.

Es ist ein großartiges Schauspiel, wenn die beiden Metallschrotthändler, die hier wohl jeden Abend sind, plötzlich von 100 Hornbrillen umringt sind, die 10 Minuten lang die Karte studieren auf der im Grunde genau drei Dinge stehen: Bratwurst, Frikadelle, Schaschlik. Eigentlich wollen sie nichts davon, eigentlich wollen Ihren Jutebeutel mit jungen Bohnen und fairtrade-Zucchini füllen, aber hier gibt es nichtmal Kartoffelsalat.

Es wäre alles nicht so schlimm, wenn sich nicht zeitgleich sechs Busse diverser Unternehmen auf den winzigen parkplatz quetschen würden. Gewiss, es ist schön hier, grüne Felder, untergehende Sonne, warme Frikadelle und kühles Bier. Aber wenn der Busfahrer wiederkommt (der dafür, dass er die Horden hier ablädt, sicher das ein oder andere Schnitzelbrötchen spendiert bekommt), haben sich um die geschlossenen Türen bereits Menschentrauben gebildet.

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