Minimale Änderungen

Wie komme ich durch diesen Beitrag ohne den unvermeidlichen Satz „Der Mini ist erwachsen geworden“? Das wird schwierig, denn bei der neuen Generation des Kleinwagens, der unter dem Regime von BMW ja eigentlich nie ein „Mini“ im Sinne von „Mini-Auto“ war, hat sich einiges in Sachen Reife getan. Das fängt bei den Platzverhältnissen an und hört bei dem Ende des asymmetrischen Türkonzeptes auf – richtig, den Neuen gibt es jetzt mit fünf Türen. Schon die Kombination der Begriffe „Mini“ und „fünftürig“ in einem Satz klingt irgendwie verkehrt. Aber es ist noch nicht einmal das.

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Überspringen wir die ganzen technischen Daten, überspringen wir sogar das Äußere, dass sich noch weiter als der Vorgänger vom kantigen Design des Urahnen entfernt hat. Reden wir davon, wie er sich anfühlt. Schon beim Einsteigen wird klar, was der Kleine will: Ein richtiges (deutsches?) Auto sein. Wo es beim Vorgänger noch klapperte oder sich billiges Plastik entblößte, wirkt nun alles deutlich hochwertiger. Und vor allem sind die meisten schrulligen Eigenheiten verschwunden: die Hand fällt nun wie von allein auf die elektrischen Fensterheber im Türgriff, anstatt irgendwo unter der Mittelkonsole danach zu suchen. Das große mittige Tacho hat sich bescheiden hinters Lenkrad verkrümelt, an seiner Stelle prangt jetzt ein großes Navi-Display. Weniger Spielerei, alles ist eher so, wie man es erwartet und aus anderen Autos kennt… aber Moment, ist das eigentlich gut so?

Das ist der Elefant, der im Raum steht und versucht möglichst unauffällig auszusehen. Tatsächlich vergisst man während der Fahrt, dass man in einem Mini sitzt, ja man vergisst sogar, dass man in einem Kleinwagen sitzt, so souverän bewegt sich der Neue über die Straße. Kein Poltern, die Federung ist straff aber unauffällig, auf der Autobahn geht es schnell Richtung 200, ohne dass einem Angst und Bange wird. Dazu kommt eine Ausstattungsliste, die es mit jedem Mittelklassedienstwagen locker aufnehmen kann. Keyless Go, Tempomat mit Radar, the lot. Ist jetzt der Charakter auf der Strecke geblieben?

Ich muss zugeben, dass ich kein großer Fan des ersten neuen Minis war. Beim Blick auf die Ampel war immer das Dach im Weg, die Sitze waren mäßig, und ja, das riesige mittige Tacho, umrahmt von verchromten Plastik, hat mir nie gefallen. Wenn das alles wegfällt, muss sich der Mini natürlich fragen, ob er nicht einfach nur noch ein schicker Polo ist – wie der Audi A1. Zum Glück hat er sich aber eine wichtige Tugend bewahrt: den Fahrspaß. Wie sein Vorgänger lässt sich der Mini viel zu leicht für sein Gewicht um Kurven zwirbeln, die Lenkung macht Spaß und müde motorisiert ist er natürlich auch nicht. Dazu geben die Sitze jetzt ordentlich Halt und die Schaltung hat ihre Lethargie abgelegt. Ohne die pubertären Auswüchse ist der Mini jetzt ein richtig erwachsenes ausgereiftes Auto, mit dem man sich tatsächlich vorstellen kann jeden Tag zu leben. Auch wenn man die Ampel immer noch nicht sehen kann.

Bild: (C) BMW Group

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