Vom Helpling und anderen Helferlein

Vor nicht allzu langer Zeit stieß ich auf einen großartigen Artikel mit dem Titel „Unsere Faulheit kotzt mich an“, den wie ich meine jeder lesen sollte. Das Argument: Die Weiterentwicklung der kapitalistisch sinnvollen Idee der Spezialisierung führt, kombiniert mit technischen Möglichkeiten, zu einer Art „Alltagsidioten“. Überspitzt formuliert können wir am Ende nichts mehr selbst, delegieren alles was nicht unser „Kerngeschäft“, sprich unser Beruf ist. Viele Apps und Dienstleistungs-Startups sind Symptom dieser Entwicklung und befördern sie gleichzeitig: Wir lassen unsere Wohnung putzen, lassen uns Essen bringen, den Hund ausführen, unsere Kinder erziehen, die Wohnung einrichten und am Ende erledigt sogar das Kleidung kaufen ein so genannter „Personal Shopping Service“.

Letztlich ist das die Ökonomisierung unseres Alltags, der Einzug kapitalistischer Prinzipien in den bisher eher abgeschotteten Markt der Organisation des Privatlebens. Das sollten wir im Hinterkopf behalten – vor allem, wenn wie bei Rocket Internet immer mehr dieser Services in einem Unternehmen verbunden sind. Wie bei dem Taxischreck Uber ist der wichtigste Mehrwert des Unternehmens am Ende nicht das Produkt, das beim Kunden ankommt, sondern die gewonnenen Daten – das vielzitierte Öl des 21. Jahrhunderts. Uber befördert Menschen nicht um damit Geld zu verdienen, sondern um aus den so gesammelten Daten soziale Profile ganzer Staaten zu erstellen – ein gutes Beispiel ist der inzwischen nicht mehr zugängliche Blogeintrag „Rides of Glory“.

Man bekommt den Eindruck, die wenigsten sind sich darüber bewusst, dass wir mit jeder wirtschaftlichen Handlung Informationen über uns preisgeben. Oder meint Ihr, payback-Punkte gibt es umsonst? Nein, der Preis sind die Daten über mein Kaufverhalten. Kombinieren wir einmal rein hypothetisch alle Informationen, die die oben genannten Services über uns sammeln könnten – was wir essen (wann wir essen!), was wir tragen, was in unserer Wohnung steht, ob wir Kinder oder einen Hund haben – möchte ich eigentlich nicht, dass jemand auf diese Daten zugreifen kann. Ich will jetzt nicht den 1984-Zaunpfahl rausholen, aber wir sollten uns überlegen, ob wir wirklich die Organisation – und damit die Herrschaft – der grundlegendsten Dinge unserer Alltags abgeben möchten. Oder bin ich jetzt paranoid?

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